Therapeutisch/pädagische pferdegestütze Beispielstunde

Heute war Max (9 J.)(Name geändert) zum ersten Mal zu einer Therapiestunde mit Pony.

 

Therapieziel:

Impulskontrolle und kontrolliertes Einsetzen der eigenen Kraft.

Paralell gefördert werden sollen: Koordination, Konzentration, Aufmerksamkeitsspanne.

 

 

Nach dem Empfang, geht Max ohne Scheu mit zu den Pferden. Er hat keine Berührungsängste, obwohl er noch nie ein Pony angefasst hat, wie er sagt.

Gemeinsam holen wir das Pony von der Weide und gehen zum Putzplatz.

1.Übung: Max darf den Druck zum Putzen mit dem Striegel am eigenen Rücken spüren, bevor er anfängt zu putzen. Wir klären dabei, wie die einzelnen Körperteile beim Pferd genannt werden.

2.Übung: Ich erkläre ihm ein wenig „Pferdisch“ an der Bewegung der Ohren.

Durch verschieden starken Druck versucht er Reaktionen hervorzurufen. Dabei werden die Ohren beobachtet. „Wo ist die Aufmerksamkeit des Pferdes? Was mag es, was nicht?“ Cheapy Ohrenspiel fasziniert ihn.

3.Übung: Es geht zu einem kleinen Parcours mit Stangen und Pylonen. Max führt Cheapy und beachtet dabei auch gleich die Einweisungen, die ich Ihm zum Thema führen gegeben habe. Großes Lob!

4.Übung: In einer von mir bestimmten Reihenfolge den Parcours abgehen mit dem Pony, ist die Aufgabe.

Die beiden schluffen langsam vor sich hin. Auf meine Frage, wer von euch hat denn das

Tempo bestimmt, du oder das Pony? Weiß er sofort: das Pony.

5.Übung: Gleicher Ablauf nur etwas schneller und Max hat das Tempo zu bestimmen.

Stopp! Nicht am Pferd ziehen... Ich zeige Ihm wie er seine Körperhaltung

verändern muss, damit das Pferd ihm folgt. Erfolgserlebnis, Cheapy reagiert sofort

auf die veränderte Körperhaltung, Max ist stolz.

6.Übung: Max darf sich selber einen Weg durch den Parcour ausdenken. Er beschreibt ihn mir und geht los. Hier zeigt sich die Schwierigkeit, das er diese „Selbstanweisung“ unterwegs vergessen hat.

7.Übung: Nun ist die Zeit um, er darf Cheapy mit zur wartenden Mutter führen. Er tut dies Anfangs in der richtigen Körperhaltung, dann lässt seine Konzentration nach und prompt wechselt Cheapy die Richtung. Als ich ihn darauf aufmerksam mache, schaltet er sofort und Cheapy reagiert prompt. Das nächste Erfolgserlebnis.

 

Mit einem Apfel für alle Pferde beschließen wir die erste Stunde.

 

Welche Übung war nun für was?

 

Impulskontrolle: Impulsreiz – Geschwindigkeit erhöhen - ziehen … darf ich nicht, eine andere Lösung muss gefunden werden.

Krafteinsatz: 1.Übung beim Putzen mit Beobachten der Reaktion (Aufmerksamkeits födernd) 2. Ziehen – darf nicht... Lösung ohne Krafteinsatz

Konzentrationsförderung: beim Umsetzen der Übungen und Beobachten der „Pferdesprache“

Aufmerkkeitsspanne: Vor der Zeit Schluß mit der Konzentration ist nicht: siehe Weg zur Mutter

Koordiantion: diese wird bei jeder Arbeit mit den Pferden geschult, hier besonders mit der Parcouranordnung

Sonstiges: Sich an seine eigenen Vorgaben halten ist eine wichtige Grundvoraussetzung für Selbstdiziplin. Diese wiederum ist wichtig um auch da aufmerksam zu bleiben wo die "Lust" fehlt.

Körperhaltung: wurde durch die Ponyreaktionen bewußter wahrgenommen.

Zeit: angesetzt waren 30 Min., es sind schließlich 40 daraus geworden.  

2. Therapiestunde

Therapieziel: Impulskontrolle und kontrolliertes Einsetzen der eigenen Kraft.

Paralell gefördert werden sollen: Koordination, Konzentration, Aufmerksamkeitsspanne.

 

Max freut sich auf die 2. Stunde mit Cheapy.

Er ist nicht ganz so frisch wie beim ersten Mal.

 

1.Übung: Wir gehen gemeinsam die Erklärungen vom letzten mal durch – was konnte er sich merken? (Merkfähigkeit)

2.Übung: Das Pferd putzen, dabei wird darüber diskutiert warum es sinnvoll ist eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten. Max gibt sich Mühe mitzumachen, schweift aber mit der Aufmerksamkeit immer wieder ab. (Sytem als Konzentrationshilfe)

3.Übung: Wir gehen heute auf den größeren Platz. Pylonen bilden eine Linie mit Konzentrationspunkten. Wir spielen heute mit verschiedenen Körperhaltungen und besprechen die Reaktionen des Ponys. Es geht darum ein Ziel im Auge zu haben und bestimmt und konsequent darauf loszugehen. (Konzentration, Ausrichtung, Körperwahrnehmung). In grader Linie klappt es gut, in gebogen Linien verliert er schnell das Ziel aus den Augen.

4.Übung: Gedanken machen Gefühle, machen Haltung... was hat dir zu letzt am meisten Spaß gemacht? - Phantasialandbesuch – eine Pylone ist das Phantasialand. Er soll mit Cheapy so schnell wie möglich zum Phantasieland laufen. Da macht es klick. Max bemerkt wie sich Cheapys bisher lustloses Verhalten in Spaß verwandelt.

Ähnliche machen wir es mit Trauer und Wut. Dabei erzählt May von seinem Kummer und das er nicht wirklich wütend ist. Hier macht sich die Diskrepanz von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung sehr deutlich. Aus der Familiengeschichte kenne ich ein paar „Wutszenen“, erinnere ihn daran. Körperhaltung und Pferdereaktion geben mir Aufschluß darüber, das er nicht wirklich Wut empfindet.

Anschließend quatschen wir und spielen wir noch ein wenig mit dem Pony.

Natürlich darf Max auch heute wieder Äpfel verteilen, was er mit großer Freude tut.

 

Dauer 45 Min.

 

Da Max heute sehr müde wirkte, waren die Übungseinheiten nur wenige Minuten lang, mit immer wieder kleinen Pausen.

Erst am Ende (beim Spielen und Quatschen) erfuhr ich, das er den Tag mit einem Gruppenausflug verbracht hat und dem entsprechend kaput war.

 

Fazit: Diese beiden Stunden, dienten hauptsächlich dazu, an Hand der Übungen zu schauen wo die genauen therapeutische Ansatzpunkte liegen.

  1. Selbstwahrnehmung – gilt es zu stärken und zu fördern. Dies kann nicht nur in einzelnen Therapiestunden geschehen. Hier ist es notwendig die Familie mit ein zu beziehen.

    Selbstwahrnehmung ist die Vorraussetzung für eine Impuls- und Kraftkontrolle.

  2. Gefühle zu spüren, zu benennen und mit ihnen Umgehen zu lernen. Das wird Teil der weiteren Arbeit mit und ohne Pferd. Gefühls-wirrwarr hemmt Konzentration und Aufmerksamkeit und führt dazu impulsiv zu handeln. Kontrollmechanismen werden dabei ausser Kraft gesestzt.

  3. Selbstvertrauen/Selbstzutrauen, Durchhaltevermögen stärken. Das hebt die Frusttrationsgrenze und fördert die Fähigkeit eigene Lösungen zu finden. Dadurch steigt das Selbstbewußtsein und damit die Anteilnahme am Geschehen um sich herum. Wer um seine Selbstwirksamkeit weiß hat mehr Freude am Einsatz.

 

 

 

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